Content auf der Webseite verkaufen – Lösungsansätze und Hindernisse

Paywall

Bezahlter Content liegt im Trend
Immer mehr Entwickler und Designer verlegen ihre Dienste in einen geschützten Bereich. Längst sind weltweit auch Content-Produzenten auf den Geschmack gekommen. Große Magazine, Online-Portale sowie Zeitungen in den USA, in Deutschland und anderen Ländern verstecken schon längst Inhalte hinter einer Paywall.

Die Regel für Bezahlschranken lautet: Zugriff hat nur, wer angemeldet ist (optional) und/oder zahlt. Hier unterscheiden wir im Wesentlichen zwei Modelle:

  1. Mitgliederseiten: Zugriff auf geschützte Inhalte zeitlich, mengenmäßig oder anders begrenzt oder eine Mischung aus den Optionen
  2. Paywall mit Micropayment-Modellen: Der Nutzer schließt keine Mitgliedschaft ab. Er zahlt (zumeist) kleine Beträge für Artikel, die er lesen möchte.

Für den internationalen Markt existiert eine Vielzahl an Lösungen, die allein aus rechtlicher Sicht nicht für deutsche Publikationen brauchbar im Sinne von abmahngefährdet sind.

Mitglieder-Seiten

Ich weiß nicht mehr, wie viele Membership-Plugins für WordPress ich in den letzten Jahren installiert, konfiguriert und getestet habe, es waren einige, wie beispielsweise:

  • Wishlist Member
  • Suma (ist wahrscheinlich eingestellt worden)
  • s2Member
  • eMember

Der Einsatz in Deutschland unterliegt deutschem Recht. Zunächst ist wichtig, an wen sich das Angebot richtet: an Verbraucher oder Geschäftsleute. Sowohl der Bezahlprozess als auch die Registrierung müssen konform mit den rechtlichen Regelungen hierzulande sein. Es geltem weitere Vorschriften für digitale/virtuelle Produkte, sowas ändert sich dauernd. Für eine Rechtsberatung bezüglich der angesprochenen rechtlichen Vorgaben muss man beinahe zwangsläufig einen Anwalt konsultieren.

Meine Testergebnisse kurz zusammengefasst
Der Umfang der Leistungen und der Zeitraum der Nutzung einer Member-Area sind ganz unterschiedlich geregelt. Ich gehe auf die Plugins kurz ein, weil vielleicht einige der Leserinnen und Leser eines der Plugins im Fokus hat oder sich über unterschiedliche Lösungsansätze informieren wollen.

Suma

war mein erster Favorit. Das Plugin war einfach zu handhaben, exisiert wohl heute nicht mehr.

WishlistMember

tat früher nicht immer, was es tun sollte: Content schützen. Wie sich das Plugin heute präsentiert, weiß ich allerdings nicht.

s2Member

Selbst dieses kostenlose Plugin kann mithalten, eine Pro-Version benötigte ich für meine Zwecke gar nicht. Die Liste an Optionen ist sehr lang, Support wird gewährt, aber für zahlende Kunden anders als für die Nutzer der freien Version. Ich habe in der Vergangenheit nur gute Erfahrungen mit den Entwicklern gemacht und kann das Plugin schon wegen der vielen Optionen empfehlen.

The s2Member® Framework (free) integrates with PayPal Website Payments Standard (also free).

hapkemedia.com arbeitet mit eMember

Entschieden habe ich mich letztendlich für eMember des australischen Unternehmens Shadow Labs (Tips and Tricks HQ). Die Software schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: eMember arbeitet mit der hauseigenen Entwicklung eStore für den Bezahlprozess zusammen. Hier legte ich das Produkt „Mitgliedschaft“ an. Wer Mitglied werden wollte, kaufte über eStore die Mitgliedschaft, das Plugin reicht das neue Mitglied nach der Bezahlung gleich an eMember weiter, der Account ist sofort freigeschaltet. Es gibt allerdings auch andere Bezahloptiopnen.
Die Entwickler haben in den letzten Jahren nachgerüstet. Europäische Kunden brauchten Features für das europäische Recht.

    • Was kann das Plugin eMember?

In erster Linie soll es vom Administrator festgelegte Inhalte schützen. Das kann auf mehreren Wegen geschehen: In der Regel legt man Mitglieder-Levels, z. B. auch eine freie Mitgliedschaft an und bestimmt, welches Level was sehen darf, bspw. Inhalte einer bestimmten Kategorie. Es ist möglich, alle Inhalte seitenweit zu schützen oder generell alles nach dem More-Tag als geschützt zu markieren. Beim Schreiben eines neuen Artikels kann man zusätzlich durch das Setzen eines Häkchens festlegen, ob dieser Inhalt (nach dem More-Tag) geschützt sein soll. Alle Artikel lassen sich nachträglich in Bezug auf den Zugriff bearbeiten. Die einzelnen Optionen sind flexibel konfigurierbar und werden hier genauer beschrieben:
http://www.tipsandtricks-hq.com/ [Affiliate-Werbelink].

eMember Settings

Darüber hinaus muss der Administrator eine Menge Einstellungen vornehmen, wie Sprache, Anzeige des Teasers vor dem More-Tag, Redirekt nach dem Einloggen, öffentliche Mitgliederlisten (optional), Login-Beschränkung pro IP-Adresse, E-Mail-Benachrichtigung, AWeber- oder Mailchimp-Anbindung und vieles mehr. Hat man das einmal erledigt, läuft es super.

    • Installation und Konfiguration

Die Installation folgt denen anderer Plugins, ist also unkompliziert. Zudem existiert eine gute Dokumentation zu allen Features des Plugins. Bei einem Upgrade muss es deaktiviert werden, die Einstellungen bleiben erhalten! Erfahrungsgemäß hatte ich bisher nie irgendwelche Probleme mit Updates.

Aus den oben genannten Optionen geht bereits hervor, dass das Konfigurieren nicht eine Sache von Minuten ist. Zunächst muss man sich in die Dokumentation einlesen und ggf. mehrere Video-Tutorials ansehen (Die sind echt toll.). Die Einstellungen sind abhängig von der eigenen Planung: Was will man schützen? Welche Levels dürfen was?

    • Support

Vor dem Kauf sollte man sich die Demo ansehen. Der erste Anlaufpunkt nach dem Erwerb des Plugins ist die Dokumentation. Sie ist übersichtlich angelegt und enthält Querverweise zu relevanten Themen. Hieran können sich andere Entwickler ein gutes Beispiel nehmen. Im englischsprachigen Forum wird kompetent geholfen. Es lohnt sich, hier immer wieder mal reinzuschauen.

Die Video-Tutorials sind sehr nützlich, um sich besser durch den Wust an Optionen arbeiten zu können. Klappt dennoch etwas nicht, ist eine E-Mail an die Entwickler der letzte Ausweg. Sie bieten zudem bezahlte Hilfe bei der Installation an.

Fazit
Alle Plugins sind mehr oder weniger umfangreich, man muss sich sehr viel Zeit für die Konfiguration nehmen und testen, testen, testen. Die Plugins s2Member und eMember bieten mit ihrem breiten Funktionsumfang so ziemlich alles, was eine Mitgliederseite braucht. Beide Plugins werden permanent weiterentwickelt.

Das Hauptproblem wird aber immer die deutsche Rechtsprechung sein. Auf der sicheren Seite ist, wer seine Mitgliederseite von einem Rechtsanwalt prüfen lässt. Gleiches gilt übrigens auch für Micropayment-Modelle.

Micropayment und gemischte Modelle

Internetnutzer zahlen bei dieser Variante einen mehr oder weniger großen Betrag für einen digitalen Inhalt auf der Webseite eines Anbieters. Sie kaufen sozusagen nur das ein, was sie lesen bzw. anschauen und nutzen wollen.

Software für Joomla und WordPress
Software für Joomla und WordPress

Die technische Einbindung erfolgt mittels einer individuellen Codierung oder durch Implementierung einer Software auf der eigenen Webseite. Im letzteren Fall lassen sich zwei Fälle unterscheiden:

  1. die Verwaltung auf der eigenen Seite
  2. die Verbindung mit einem externen Dienstleister, der die Verwaltung übernimmt. Auf der eigenen Webseite nimmt der Anbieter von geschützten Inhalten nur wenige Einstellungen vor, bspw. muss er eine vom Dienstleister übermittelte API oder eine andere Art Zugangskennung eintragen.

Für beide Varianten existieren zahlreiche Plugins auf dem Markt, die Webseitenbetreiber in ihre Seite einbauen können. Hier seien beispielhaft einige für das Content-Management-Systeme WordPress genannt:

Aus Nutzersicht bedeutet das: Sie müssen auf jeder Internetseite, die Artikel gegen Bezahlung anbietet, den Bezahlbutton klicken, um dann entweder auf eine weitere Seite mit einer Auswahl an Bezahloptionen oder direkt zur Bezahlabwicklung (z. B. PayPal) weitergeleitet zu werden. In einigen Fällen ist eine Registrierung erforderlich. Aber auch für diese Plugins gilt zu prüfen, ob sie dem deutschen Recht entsprechen! Nach meiner Erfahrung nicht, aber so etwas muss ein Anwalt beurteilen.

Paywall-Plugis sind oftmals kostenlos. Allerdings kann sich dahinter ein kostenpflichtiges Modell selbst für den Anbieter von Content verbergen. Das Plugin dient nur als Schnittstelle für die eigentliche Abwicklung, bei der der Drittanbieter mitverdient, bspw. einen Prozentsatz am Umsatz bekommt. Als Beispiel seien hier Tinypass und plenigo genannt.

LaterPay auf exklusivtext.de
LaterPay auf einer meiner früheren Webseiten

Es war nur eine Frage der Zeit, bis findige Entwickler wie LaterPay ein Modell auf den Markt bringen – rechtskonform, wird vom Anbieter versichert, das eine Vereinfachung schaffen soll: Der Nutzer registriert sich bei LaterPay und kauft weltweit auf Seiten ein, die mit LaterPay arbeiten. Es funktioniert also ähnlich wie mit Spendenbuttons für Flattr oder dgl., nur eben mit verpflichtender Bezahlung. Erst wenn das Konto eines Contentnutzers einen Warenwert von 5 Euro erreicht hat, geht es bei LaterPay ans Bezahlen.

Anbieter von digitalem Content binden den Service per WordPress-Plugin ein und zahlen an LaterPay eine Umsatz-Provision – genannt Gebühr – in Höhe von 15% pro Transaktion. Die Konfiguration lässt freie Inhalte, Bezahlinhalte und Abos zu sowie individuelle Preise für jeden Beitrag.

Der klare Vorteil: Nur einmal registrieren – weltweit auf Websites Content einkaufen. Je mehr Webseiten an das System angeschlossen sein werden, desto attraktiver wird der Dienst und somit das Paywall-Modell.

Mit plenigo können Content-Anbieter sehr viele verschiedene Geschäftsmodelle abgebilden und auf Veränderungen zeitnah reagieren: Abonnements, Einzelprodukte (Text, Audio,Video), Collecting (später bezahlen, ähnlich wie LaterPay), Spenden, Zugangs- und Nutzerverwaltung (anders als bei LaterPay), eine frei definierbare Anzahl pro Freiansichten pro Nutzer und definierter Zeiteinheit oder Channel-Controll – Öffnung von Inhalten über definierte externe Zugangsseiten. Flexibilität und Komfort haben ihren Preis.

E-Commerce und das deutsche Recht
Das Hauptproblem bei der Realisierung von Mitgliederseiten und Paywalls wird wohl immer die deutsche Rechtsprechung sein. Ich rede hier bewusst von einem Problem, das weder Geschäftsleute noch Verbraucher recht durchschauen. Immer neue Hürden und Änderungen werden für Anbieter und Nutzer aufgebaut.

Die Bereitschaft, Content zu kaufen
Eines der treffendsten Zitate zum Thema „Paid Content“ liefert der Web-Allrounder, Future Evangelist für Kommunikations- und Medienkonvergenz und Inhaber des HighText Verlages Joachim Graf:

Es lässt sich am Sandstrand nur sehr schlecht Sand verkaufen.

Meine Meinung
Seit wirklich sehr vielen Jahren schon spiele ich mit verschiedenen Modellen. Meine zahlreichen Erfahrungen laufen immer in die eine Richtung: Der Content muss stimmen. Und: Leser sind Menschen.

Welche Ansprüche habt ihr an Content, für den ihr bezahlen würdet?

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