Der Journalist ist Unternehmer

Keine Texte für lau„, fordere ich in dem Beitrag über Honorar-Dumpimg. Ein Journalist muss von dem leben, was er leistet. Dass seine Situation durch neue Medien schwieriger, wenn nicht schlechter geworden ist, liegt auf der Hand. Knebelverträge von Verlagen sind da nur ein Grund. Auf dem Spielfeld der Meinungsmacher und Nachrichtenproduzierer tummeln sich viele neue Mitspieler, die Nicht-Berufs-Journalisten.

Der Nutzer der Informationen aus dem Internet entscheidet, was er konsumieren und welchen Informationen er vertrauen mag. Für ihn wird es ebenfalls schwieriger: Er muss unterscheiden zwischen wahren und unwahren Informationen, Inhalte gegeneinander abwägen. Aber er hat auch Instrumente an der Hand, sich nach eigenen Kriterien sehr viele Informationen zu holen und zu filtern. Was am Ende übrig bleibt, sind nicht mehr nur die Nachrichten der Profis.

Während vorwiegend ältere Menschen, die eh keinen Rechner zu Hause haben, traditionellen Medien vertrauen, tauschen sich Internet-Nutzer intensiv aus und suchen nach Antworten auf ihre Fragen. Sie gehen sogar noch weiter und erschaffen virtuelle Güter, bilden Gemeinschaften, verbreiten Nachrichten, z. B. über Twitter. Soziale Netzwerke haben sich zu interaktiven Medienzentren entwickelt.

Soweit die Theorie. Wie steht es um den Journalisten in dieser Medienwelt? Interessante Fakten und Denkanstöße vermittelt das folgende Video (Produktion: Blinkenlichten Produktionen im Auftrag des ZDF in Zusammenarbeit mit Handelsblatt.com):

Elektrischer Reporter – Zukunft des Journalismus: Wer soll das bezahlen?

Natürlich muss ich mich als Journalistin mit der Realität auseinandersetzen und habe für mich selbst eine Strategie entwickelt:
– keine Arbeit für (fast) lau; Alternative: Publikation in eigenen Blogs
– Monetarisierung durch Werbeschaltung auf eigenen Blogs
– keine Abstriche bei der Qualität
– nie wieder Knebelverträge von Verlagen unterschreiben
– Aufklärung von Kollegen betreiben: Mit Honorardumping schadet ihr allen in der Branche!
– aktiv netzwerken
– redaktionelle Aufträge mit größter Sorgfalt ausführen, d. h. u. a., genügend Zeit für Recherche einplanen
Content über das Web verkaufen

Ob das allerdings reicht, auch künftig meine Rechnungen bezahlen zu können – darüber muss ich wohl noch intensiver nachdenken.

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